Diese Pressemitteilung wurde am Mittwoch, 16. April 2014 in der Kategorie Freizeit & Hobby von Monika Kohut veröffentlicht.
Pressemitteilung - SEXIER THAN SEX
Tim Schmitt beim Klettern an der Püttlacher Wand

SEXIER THAN SEX
Ein Gespräch mit Tim Schmitt über das Erleben von Höhepunkten beim Klettern.

MK: Tim, wenn man sich deine Vita anschaut, fällt sofort auf, dass sich in deinem Leben alles ums Klettern dreht. Wie kam es dazu?

TS: Meine Eltern waren beide berufstätig. Deshalb bin ich ab der 5. Realschulklasse nachmittags in einen Pestalozzi-Hort gegangen. Dort wurden jeden Tag, ab 15 Uhr, in einer Multifunktionshalle verschiedene Kurse angeboten. Zunächst bin ich zum Schwimmtraining gegangen. Aber irgendwann war das für mich nur noch „Kachel-zählen“. Deshalb habe ich mich zum Klettern angemeldet und war sofort begeistert, zumal ich, Dank meiner durch das Schwimmen gestärkten Rückenmuskulatur und Kondition, sofort bei Schwierigkeitsgrad 5 einsteigen konnte.

MK: Wie sah es denn damals in einer Kletterhalle aus? Wie viele Schwierigkeitsgrade gab es seinerzeit, und welche gibt es heute?

TS: Die Ausstattung der Hallen ist gleich geblieben: Die Kletterwände sind aus Holz und die Griffe aus Kunstharz. Und auch die Skala der Schwierigkeitsgrade geht immer noch von II bis XII−/XII.

Herausfordernder als der Kilimandscharo

MK: Wie definiert sich ein Schwierigkeitsgrad?

TS: Der Schwierigkeitsgrad ergibt sich nicht nur, wie man vielleicht annehmen könnte, aus der Höhe einer Wand, sondern auch aus ihrer Neigung. Je stärker die Neigung, desto höher der Schwierigkeitsgrad und damit auch die Anforderung an die Komplexität des Bewegungsablaufes.

So ist beispielsweise eine Wand im Mittelgebirge Ith bei Hannover, die nur eine Höhe von knapp 50 Metern, aber eine extreme Neigung hat, für uns Kletterer eine größere Herausforderung als der Kilimandscharo in Tansania, der 5.895 Meter hoch ist, aber quasi im Spaziergang erklommen werden kann.

Neben der Neigung bestimmt zudem auch die Schraubung der Kletterhaken den Schwierigkeitsgrad. Für die sich hieraus ergebenden Routenführungen und deren regelmäßige Änderung sind so genannte Routenschrauber, vom DAV-Deutschen Alpenverein geprüfte professionelle Kletterer, verantwortlich.

Wie beim Schach ist der Weg das Ziel

MK: Kannst Du das bitte an einem Beispiel veranschaulichen?

TS: OK, nehmen wir das Skifahren. Ein Skifahrer weiß immer, was er können muss, wenn er sich für eine Piste mit einer bestimmten Farbe entscheidet, denn zum Beispiel eine „Schwarze Piste“ hat überall den gleichen Schwierigkeitsgrad, egal in welchem Skigebiet er unterwegs ist. Aber die jeweiligen Gelände unterscheiden sich und somit auch die Routenführungen. Diese Natur gegebene Abwechslung kann eine Halle logischer Weise nicht bieten. Deshalb kommen hier Routenschrauber zum Einsatz.

Die Indoor-Routenplanungen erfordern eine perfekte Beherrschung des Kletter-ABCs, sehr viel Kreativität und eine starke Vorstellungskraft. Ähnlich einem Schachspieler, muss der Routenschrauber seine nächsten und übernächsten „Züge“ im Voraus planen und detailliert durchdenken. Und wie beim Schach ist „der Weg das Ziel“. Sich auf dem Weg nach oben nicht ins Seil zu setzen, das ist unser Ziel. Aber wie beim Schach, führen auch beim Klettern viele Wege nach Rom. Nur, im Gegensatz zu Schachspielern, diskutieren wir Kletterer die verschiedenen Möglichkeiten mit unserem Partner.

Grundsätzlich ist Klettern ein Sport für jedermann

MK: Das klingt, als sei Klettern ein sehr anspruchsvoller Sport. Für wen ist der denn überhaupt geeignet beziehungsweise ungeeignet?

TS: Grundsätzlich ist Klettern ein Sport für jedermann. Deshalb sprießen ja auch überall die Hallen wie Pilze aus dem Boden. Ob Frau oder Mann, ob jung oder schon älter, jeder kann Klettern lernen, denn für die niedrigeren Schwierigkeitsgrade sind weder viel Kondition noch „Sportlichkeit“ im landläufigen Sinn notwendig.

Natürlich kristallisiert sich nach einer gewissen Zeit heraus, ob man ein „Plaisir-Kletterer“ bleibt oder das Zeug zum echten „Sport-kletterer“ hat. Wenn man ein hohes Niveau hat, halten oder sogar steigern will, muss wohl, wie bei jedem anderen Sport auch, eine bestimmte genetische Veranlagung gegeben sein. Außerdem muss man die Zeit haben, mindestens zwei Mal in der Woche und an jedem Wochenende zu trainieren.

Andernfalls ist der Leistungsabfall rapide. Aber ob Sport- oder Spaßkletterer, ich kenne niemanden, der einmal mit dem Klettern angefangen und dann wieder aufgehört hat, was bei anderen Sportarten ja oft der Fall ist.

Klettern ist beziehungsfördernd

MK: Hast Du für dieses Phänomen eine Erklärung?

TS: Ich denke, es liegt auch daran, das Klettern ein besonders beziehungsfördernder Sport ist. Da man immer zu zweit klettert, sucht man sich einen Partner, zu dem man - im wahrsten Sinn des Wortes - existentielles Vertrauen hat, denn er ist ja gegebenenfalls auch deine Lebensversicherung. Und einen Partner, zu dem man eine enge Bindung hat, den verlässt man nicht so leicht.

Selbst innerhalb der Gruppen, die regelmäßig zusammen auf Klettertour gehen, entwickeln sich familienähnliche Bande, die über Jahre halten. Ich selbst habe ‚Klettereltern‘. Die habe ich mit 13 Jahren, also noch in meiner Heimatstadt Düsseldorf, kennen gelernt. Heute bin ich 25, und wir treffen uns immer noch regelmäßig zum Klettern, zum Beispiel im Frankenjura.

MK: Warum gerade im Frankenjura?

TS: Das Frankenjura gehört zu den herausfordernsten Klettergebieten Deutschlands, selbst für Extremkletterer. In den 80er Jahren hat Wolfgang Güllich hier mit der „Action Directe“ die erste Route im Grad UIAA XI erschlossen und damit Maßstäbe auf Weltniveau gesetzt. Auch die Routen von Kurt Albert, der ja wie Wolfgang Güllich leider schon tot ist, sind nach wie vor internationale Benchmarks.

MK: Welche anderen Regionen in Deutschland sind denn für Freaks und Könner noch interessant?

TS: Da fällt mir spontan die Eifel ein. Renate und Ralf, meine Klettereltern, luden mich seinerzeit zu meiner ersten Outdoor-Tour nach Niedeggen ein. In der Halle war ich mittlerweile bei Schwierigkeitsgrad 8 angelangt und entsprechend groß war mein Selbstbewusstsein. Aber dann stand ich vor dem Felsen, einem weichen, brüchigen Sandstein-Kiesel-Konglomerat und habe mich gefragt: „Wie komme ich hier hoch?“ Das war eine gleichermaßen ernüchternde wie motivierende Erfahrung. Ernüchternd in Bezug auf mein Selbstbild und motivierend in Bezug auf die Faktoren, die für mich - und wohl auch alle anderen Kletterer - immer wieder den besonderen Reiz dieses Sports ausmachen.

Man will es immer irgendwie nach oben schaffen

MK: Und diese Faktoren sind?

TS: Neben Spass, Teamgeist, kreative Vorstellungskraft, die ich ja schon genannt habe, sind es die kontinuierliche Weiterentwicklung deiner Motorik und Bewegungsabläufe und der Ehrgeiz es „immer irgendwie nach oben“ zu schaffen. - Und wenn du dann oben bist, dann ist das Erlebnis „sexier than sex“.

MK: WOW! Das ist eine starke Aussage, die neugierig macht und einer näheren Erläuterung bedarf.

TS: Wie allgemein bekannt ist, hat selbst der beste Sex - schon rein physiologisch bedingt - eine begrenzte Nachhaltigkeit: Ein Orgasmus dauert nur wenige Sekunden. Wenn du hingegen beim Klettern am Ziel angekommen bist, dann ist deine Erschöpfung unter Umständen so groß, dass du das Gefühl hast, als verließest du deinen eigenen Körper.

Du siehst dich selbst von oben, wie in einem Film. Und du „empfindest“ den gesamten Aufstieg und jeden deiner „Moves“ noch einmal. Parallel dazu verinnerlichst du das dich umgebende Naturpanorama. Damit ist dieses Erlebnis nachhallender, multisensueller und mehrdimensionaler als das Erleben eines sexuellen Höhepunktes.

Das Equipment muss immer und überall zuverlässig sein

MK: Du bist schon in Neuseeland, Thailand und auf den Philippinen geklettert. Welche Anforderungen stellst Du bei diesen Reisen an Deine Ausrüstung?

TS: Das Equipment muss immer, also auch unter extremsten Bedingungen, belastbar und zuverlässig sein. Das bedingt eine „Triple-A-Qualität“ des gesamten Materials. Grundsätzlich besteht unsere Ausrüstung aus Zustiegs- und Kletterschuhen, Gurt, Seil mit Karabinerhaken, Expressschlingen, langer und kurzer Hose. Die Funktionswäsche sollte vorzugsweise aus Merinowolle sein.

MK: Warum ausgerechnet Merinowolle?

TS: Weil sie am besten für alle Witterungen und Klimazonen geeignet ist, denn unter anderem wirkt sie Körpertemperatur regulierend. Außerdem ist Funktionswäsche aus Merinowolle sehr pflegeleicht und wiegt wenig. Diese Eigenschaften sind sehr wichtig, denn ob wir hierzulande oder auf anderen Kontinenten auf Mehrtagestouren gehen, wir Kletterer reisen immer mit Minimalgepäck, also Rucksack.

MK: Neben den bereits genannten, welche anderen Länder würden Dich noch reizen und warum?

TS: Ich möchte noch einmal betonen, dass kein Kletterer, egal wie gut er auch sein mag unbedingt in die Ferne schweifen muss, um den großen Kick zu finden. Aber ich reise sehr gerne und deshalb stehen die Granitfelsen von Colorado ebenso auf meiner Wunschliste wie die Rocklands der Cedar Mountains in Südafrika, wo ich mal gerne Bouldern würde.

MK: Was ist der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern?

TS: Bouldern ist eine Kletterart, die ohne Seil, an kleinen Blöcken - im Englischen „boulders“ - betrieben wird. Die Absprunghöhe kann aber durchaus bis zu sechs Metern betragen. Deshalb werden zur Dämpfung kleine, weiche Bodenmatten verwendet. Aber diese „Crashpads“ stellen keine große Materialbelastung dar, denn auch sie sind im Rucksack transportierbar.

MK: Tim, vielen Dank für dieses wirklich lehrreiche Gespräch.

Tim Schmitt ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen. Er hat eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann und ist heute ‚Head of After Sales Services‘ der Petzl Deutschland GmbH, einem Unternehmen, das auf Ausrüstungen für Bergsteigen und Klettern spezialisiert ist. Außerdem ist Tim als Fotomodell, unter anderem für Kaipara Merino Sportswear und als Athlet für die Marke Red Chili tätig. Er lebt seit drei Jahren in München.




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Monika Kohut
Monika Kohut
MarketingKommunikation
Drosselweg 3
82061 Neuried

http://www.mk-markom.com
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