Diese Pressemitteilung wurde am Freitag, 07. März 2014 in der Kategorie Gesellschaft & Kultur von Monika Kohut veröffentlicht.
Pressemitteilung - I DO WHAT I LOVE TO DO - Ein Interview mit Südafrikaner Gary York - Dozent an der TUM
Foto: privat

I DO WHAT I LOVE TO DO - Ein Interview mit Südafrikaner Gary York - Dozent an der TUM
M.K.: Herr York, Sie leben mit ihrer Frau und ihren sechs Kindern in Moosburg, sind aber in Kapstadt geboren und aufgewachsen. Für viele Menschen ist Ihre Heimatstadt eine der schönsten Städte der Welt. Was hat Sie zu diesem Umzug veranlasst? Mit welchen Plänen und Zielen sind Sie nach Bayern gekommen? Und welchen beruflichen Hintergrund haben Sie?
G.Y.: Ursprünglich bin ich Bauingenieur. Meinen ‚Master of Sciences‘ habe ich in Teilzeit an der Witwatersrand Universität gemacht, während ich bereits für den Council of Scientific and Industrial Research (CSIR) gearbeitet habe. Nach neun Jahren bin ich dann zur IQ Business Group, einer südafrikanischen Unternehmensberatung, gewechselt. Während meiner Tätigkeit als Consultant habe ich, wieder in Teilzeit, ein Zweitstudium an der Universität von Pretoria begonnen, das ich im Laufe meiner nachfolgenden Tätigkeit als Leiter eines Strategie-Projektes für den Vorstand von SABMillar PLC. mit dem ‚Master of Business Administration‘ abgeschlossen habe. Zuletzt war ich für dieses Unternehmen in der Position ‚General Manager of Sales and Distribution Centre‘ tätig. Nach insgesamt 15-jähriger Berufstätigkeit wollte ich dann aber etwas gänzlich Neues. Da ich noch keine klaren Ziele oder konkreten Pläne, aber ein „gutes Polster“ hatte, habe ich mit meiner Frau, einer gebürtigen Österreicherin, beschlossen, dass wir mit unseren – seinerzeit vier – Kindern für einen „Langzeiturlaub“ nach Salzburg gehen. Nach zweieinhalb Jahren sind wir schließlich nach München umgezogen, wo ich mich mit ‚venture GAINED‘ selbständig gemacht habe. Bis heute biete ich mit venture GAINED Coachings und Trainings von Soft Skills an. Zudem bin ich seit 2009 an privaten (Fach)-Hochschulen, der Hochschule München und der Technischen Universität München (TUM) tätig.
M.K.: Das war ein sehr mutiger Schritt, denn die Weiterbildung von berufstätigen Erwachsenen ist ja eine ganz andere Nummer als das Unterrichten von Schülern oder Studenten.
G.Y.: Das stimmt, aber ich hatte bereits während meiner Studienzeit regelmäßig Nachhilfe in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern gegeben und dabei schon damals festgestellt, dass mir das Unterrichten liegt. Als ich dann zum ersten Mal als Dozent tätig war, wurde mir endgültig bewusst, dass das meine eigentliche „Berufung“ ist.
M.K.: Wie schafft man es, ohne das normalerweise hierzulande erforderliche wissenschaftliche und pädagogischen Examen Dozent an einer deutschen Elite Universität zu werden?
G.Y.: Ich kenne die strengen Richtlinien, die in Deutschland - und vor allem in Bayern - für Schulen gelten. Aber an den Universitäten und Fachhochschulen sind die Regularien nicht so starr. Hier werden immer häufiger Dozenten eingesetzt, deren Muttersprache Englisch ist, und die im Management tätig waren oder noch sind. Zum einen liegt das sicher an der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge, die bekanntlich sehr international ausgerichtet sind. Ein weiterer Grund ist wohl die Erkenntnis, dass Dozenten, die die Herausforderungen an Manager im Kontext der Globalisierung aus der Praxis kennen, die Curricula durch die Vermittlung ihrer Erfahrungen zielführend ergänzen. Und unsere übergeordnete Zielvorgabe ist, die Studierenden fit für den stetig zunehmenden Wettbewerb zu machen.

M.K.: Wie sehen und erleben Sie Lehren und Lernen in Deutschland beziehungsweise in Bayern? Wie unterscheiden sich Bildungssystem und Studenten hierzulande von denen Südafrika?
G.Y.: Es gibt vielerlei Unterschiede. So stelle ich beispielsweise immer wieder fest, dass deutsche Studenten Angst davor haben, Fehler zu machen. Sie wagen oft nicht, ihre eigene Meinung zu vertreten, denn die könnte als „falsch“ gewertet werden. Also sagen sie lieber nichts. Diese Strategie der Risikomminimierung erschwert nicht nur den Dialog zwischen dem einzelnen Lernenden und Lehrenden, sondern sie behindert auch, ganz allgemein, offene Diskussionen.
Meine Studienzeit liegt nun ja schon einige Jahre zurück. Grundsätzlich aber gilt sicher auch heute noch, dass die Hürden für eine Matrikulation in Südafrika deutlich niedriger sind als in Deutschland. Aber die Erwartung an das Engagement der Studenten, die den Master anstreben, ist deutlich höher. Wer in Deutschland seinen Bachelor gemacht hat, macht in der Regel auch seinen Master. Der Übergang ist hier eher fließend. In Südafrika hingegen brauchen die Studenten sehr gute Noten, um überhaupt zum Masterstudium zugelassen zu werden. Außerdem müssen sie ihr Interesse an diesem Aufbaustudium überzeugend darstellen. Wenn sie diese Eintrittsbarrieren überwunden haben, dann genießen sie einen deutlich höheren Status als ihre deutschen Kommilitonen. Dieser Umstand spiegelt sich unter anderem auch in dem persönlichen Umgang wider, den Studenten und Professoren miteinander pflegen.
M.K.: In Deutschland ist das Ansehen des Lehrerberufes in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Im Hinblick auf die lange, akademische Ausbildung sind die Honorare an den (Fach-)Hochschulen bekanntermaßen wenig attraktiv, insbesondere für Lehrkräfte, die nicht in einem unbefristeten Angestellenverhältnis stehen. So zahlen die privaten Hochschulen hier in München ihren freiberuflichen Dozenten, und die sind in der Mehrzahl, zwischen 26 und 32 Euro brutto für die Unterrichtsstunde. Mit der erforderlichen Vorbereitung und Nachbereitung kommt man leicht auf drei Stunden. Und dabei ist der Arbeits- und Zeitaufwand für den Entwurf von Klausuren und deren Korrektur, Sprechtage, die Vor- und Nachbereitung der schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen noch nicht berücksichtigt. In summa kommt man also auf einen geradezu kläglichen Stundensatz. Zudem wird der durch Semesterferien, Ferien und Feiertage bedingte Ausfall nicht finanziell kompensiert. Selbst Professoren, die im Rahmen von den heute gängigen Zeitverträgen an öffentlichen Hochschulen lehren, müssen, wie verschiedene Medien im vergangen Jahr mehrfach ausführlich berichteten, für den Zeitraum der mehrmonatigen Semesterferien häufig Hartz IV beantragen. Angesichts dieser Ist-Situation, die übrigens an den städtischen Schulen in München ähnlich ist, kann man von einer „fortschreitenden Proletarisierung des Lehrerberufes“ sprechen. Gibt es ein vergleichbares Szenario in Südafrika?
G.Y.: Wie bereits dargestellt, war ich in Südafrika nie in einer vergleichbaren Position tätig. Aber ich weiß natürlich, dass auch hier das Image und die Gehälter von Lehrern nie attraktiv waren. Als ich mich dazu entschieden habe, meine Dozententätigkeit aufzunehmen, ging es mir jedoch nicht primär um die monetäre Entlohung, sondern um die idelle und emotionale Belohnung. Ich wollte das tun, was mir wirklich Freude macht. Und meine derzeitige Tätigkeit macht mir mehr Spaß denn je, weil die Lehrpläne mit Themen wie „Social Responsibility“, „Gender & Diversity Management“ oder auch „Business Ethics“ heute sehr viel Freiraum für eine indviduelle Ausgestaltung der Kurse und Seminare bieten.
So kann ich meine eigenen Materialien entwickeln und damit auch das akademische Niveau meiner Kurse und Seminare selbst bestimmen.
M.K.: Bis dato waren die Stationen in Ihrer beruflichen Laufbahn Forschung, operatives Management, Consulting und Lehre. Was kommt als nächstes? Oder war’s das?
G.Y.: „I do what I want to do“. Gemäß dieser Maxime möchte ich mich zukünftig intensiver mit kritischen Fragen beschäftigen; Dinge hinterfragen und darüber schreiben. Wie ist es zum Beispiel möglich, dass Unternehmen, die extrem niedrige Löhne zahlen und enorme Renditen machen unbeschadet mit ihrer fragwürdigen Unternehmmenspolitik davon kommen? Werden die technischen Fortschritte bei der Entwicklung von Robotern dazu führen, dass sie den Menschen als Gefährten emotional ersetzen und somit am Ende seine Isolation bewirken? Gibt es tatsächlich einen distinkten Unterschied zwischen Menschen und Tieren? Und falls ja, wie begründet er sich? Oder handelt es sich letztendlich nur um einen Unterschied gradueller Ausprägung?
M.K.: Herr York, wir sind gespannt auf Ihre Antworten. Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Red.Anm.: Das Interview wurde in englischer Sprache geführt. Auf die Übersetzung der Headline wurde bewusst verzichtet.



Diese Pressemitteilung wurde veröffentlicht von:
Monika Kohut
Drosselweg 3
82061 Neuried

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