Diese Pressemitteilung wurde am Donnerstag, 31. März 2016 in der Kategorie Polizei Presse von München Presse veröffentlicht.
Pressebericht vom 01.04.2016
Pressemitteilung Polizei München
Polizei München - Bericht des Tages
Mit unserem jährlich erscheinenden Verkehrsbericht ziehen wir Bilanz in der Verkehrssicherheit für das vergangene Jahr.

Die Einwohnerzahl und die Kfz-Zulassungen im Ballungsraum München haben auch im letzten Jahr zugenommen und somit wieder neue Höchststände erreicht. Rechnet man die knapp 500.000 Pendlerfahrzeuge und die Pkw der vielen Messebesucher und Touristen hinzu, die tagtäglich das Münchner Straßennetz benutzen, erfreut es besonders, dass die Verkehrssicherheit in der Landeshauptstadt München und im Landkreis München vergleichsweise hoch ist.

So liegt die Häufigkeitszahl der Verletzten je 100.000 Einwohner bei 425 und damit auf dem niedrigsten Stand der letzten 10 Jahre. Im Vergleich mit anderen Großstädte wie Hamburg, Berlin, Köln oder Frankfurt nehmen wir nach wir vor den Spitzenplatz ein.

Für das Polizeipräsidium München lässt sich die Unfallbilanz des Jahres 2015 auf folgende Kernaussagen zusammenfassen:

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,4 % auf 54.786 minimal an.
Bei den Verletzten ist ein Rückgang um 1,4 % auf 7.811 zu verzeichnen, die Anzahl der Schwerverletzten reduzierte sich gar um 9,7 % auf 720.
Bei Unfällen mit tödlichem Ausgang verloren 21 Menschen ihr Leben – acht weniger als im Vorjahr.
Die durch nicht angepasste sowie überhöhte Geschwindigkeit verursachten Unfälle gingen um 3,8 % auf 432 zurück.
Bei den Unfällen mit Radfahrern gab es einen leichten Rückgang um 1,3 % auf 2.982. Die Anzahl der verletzten Radfahrer blieb mit 2.659 nahezu gleich (+0,1 %).
Fußgängerunfälle reduzierten sich um 7,6 % auf 935.
Drei Viertel der Getöteten und zwei Drittel der „schwer Verunglückten“ – das sind die bei Unfällen getöteten oder schwerverletzten Menschen – waren Fußgänger oder Radfahrer.
Mit 4.227 stieg die Anzahl der Seniorenunfälle um 5,3 %. Überwiegend setzten die Senioren selbst die Unfallursache.
Die Zahl der Unfallfluchten stieg um 4,7 % auf 13.473. In knapp einem Viertel der polizeilich registrierten Unfälle flüchtet der Verursacher also unerlaubt vom Unfallort.

Statistisch gesehen ereignete sich alle 9 Minuten ein Verkehrsunfall. Ca. alle 80 Minuten kam bei einem Unfall ein Mensch zu Schaden, alle 12 Stunden verunglückte ein Mensch bei einem Verkehrsunfall schwer und etwa alle zweieinhalb Wochen starb ein Mensch auf unseren Straßen.

10 Fußgänger, 5 Radfahrer, 4 Fahrer von motorisierten Zweirädern und 2 Pkw-Insassen verloren bei Verkehrsunfällen ihr Leben.

Die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgängern gingen um fast 8 % auf 935 zurück und liegen damit erstmals seit 2010 wieder unter dem statistischen Mittelwert. Leider kamen dabei 10 Fußgänger ums Leben. Das sind zwar 3 weniger als im Jahr davor, dennoch stellen die Fußgänger damit fast die Hälfte (47,6 %) aller Verkehrstoten. Die meisten Fußgängerunfälle passieren beim unvorsichtigen Überschreiten der Fahrbahn. Häufig unterschätzen die Fußgänger dabei die Geschwindigkeit der Autos oder wollen bei stockendem Verkehr schnell mal zwischen den Autos über die Straße laufen oder noch schnell den Bus oder die Straßenbahn erwischen, oftmals auch unter Missachtung der roten Fußgängerampel.

Ein weiteres Phänomen gewinnt auch bei Fußgängerunfällen zunehmend an Bedeutung, nämlich die Ablenkung durch Smartphones und/oder Kopfhörer. Die Kopfhörer auf den Ohren, den Blick auf das Smartphone gerichtet oder ins Gespräch vertieft. So abgelenkt und isoliert von den Umgebungsgeräuschen kann man immer mehr Fußgänger in München und anderswo beobachten.

Welche tragischen Folgen dies haben kann, zeigen nicht zuletzt der tödliche Unfall eines 15-jährigen Mädchens und zwei schwere Unfälle mit einem 17-jährigen Schüler und einem 23-jährigen Studenten im März dieses Jahres. Alle drei hatten Kopfhörer getragen, das Mädchen auch noch auf sein Smartphone geschaut, und konnten deshalb beim Überqueren der Straße die herannahende Straßenbahn bzw. das Auto nicht hören.

Nachdem die Geschwindigkeitsunfälle bereits im Jahr 2014 deutlich um 29 % zurückgegangen waren, setzte sich dieser Trend im Jahr 2015 mit einem Rückgang um weitere 3,8 % erfreulicherweise fort. Dies hängt auch mit den intensiven, öffentlichkeitswirksamen Geschwindigkeitskontrollen zusammen. Leider verloren bei Geschwindigkeitsunfällen 10 Menschen ihr Leben. Das sind knapp 48 % aller Verkehrstoten.

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern sank gegenüber dem Vorjahr um 1,3 % auf 2.982. Dabei wurden 2.659 Radfahrer verletzt, 5 kamen ums Leben. Keiner der Getöteten trug einen Fahrradhelm! Zwei starben an den Folgen ihrer schweren Kopfverletzungen. Hätten diese beiden einen Helm getragen, würden sie höchstwahrscheinlich noch leben!

Betrachtet man den Anteil der erlittenen Kopfverletzungen von Radfahrern, ist das freiwillige Tragen eines Fahrradhelms dringend zu empfehlen. Die Bereitschaft zum Helmtragen nimmt mit zunehmendem Alter ab. Während in Deutschland über 2 Drittel (69 %) aller Fahrrad fahrenden Kinder zwischen 6 und 10 Jahren einen Fahrradhelm tragen, liegt die Helmtragequote bei den Radfahrern ab 17 Jahren nur noch zwischen 7 und 16 Prozent.

Über die Hälfte (53,4 %) der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern wurden von den Radfahrern verursacht. Hauptsächlich missachteten sie dabei die Vorfahrt bzw. den Vorrang anderen Verkehrsteilnehmer oder fuhren als sog. Geisterradler entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Radweg.

Sorge bereiten uns nach wie vor die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahre. Diese sind im Vergleich zu ihrem Einwohneranteil am Gesamtunfallaufkommen zwar deutlich unterproportional vertreten. Bei den Unfällen mit Schwerverletzten und Getöteten kehrt sich dies jedoch um.
Wenngleich die Senioren bei Verkehrsunfällen zu über 80 % als Pkw-Fahrer beteiligt waren, verletzten sie sich überwiegend als Fußgänger und Radfahrer. Drei Viertel der schwer verletzten Senioren und alle 9 getöteten Senioren waren als Fußgänger und Radfahrer unterwegs.

Die Zahl der sog. Unfallfluchten ist 2015 sprunghaft um 4,7 % auf 13.473 angestiegen. Bei knapp einem Viertel aller Verkehrsunfälle entfernten sich die Unfallverursacher unerlaubt von der Unfallstelle. Auch wenn es sich bei 73,3 % dieser „Unfallfluchten“ um sog. Parkfluchten mit lediglich Blechschaden handelte. Unfallflucht ist kein Kavalierdelikt, sondern eine Straftat, die mit Geld- oder Freiheitsstrafe bestraft wird und sowohl den Führerschein als auch den Versicherungsschutz kosten kann. Bei einer Aufklärungsquote von knapp 49 % ist das Entdeckungsrisiko sehr hoch.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums München werden sich auch im Jahr 2016 rund um die Uhr für die Verkehrssicherheit der Menschen im Ballungsraum einsetzen und verlässlicher Ansprechpartner sein.
Verkehrsunfälle sind in den meisten Fällen keine schicksalhaften Ereignisse. Wir wünschen uns deshalb, dass sich alle Verkehrsteilnehmer wieder mehr die Grundregel des § 1 der Straßenverkehrsordnung zu Eigen machen:

„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Durch die Einhaltung dieser Grundregel leisten alle Verkehrsteilnehmer einen wesentlichen Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Den Verkehrsbericht mit allen detaillierten Informationen finden Sie im Internet unter:

www.polizei-münchen.de/verkehr/statistik/index.html

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