Diese Pressemitteilung wurde am Freitag, 31. März 2017 in der Kategorie Polizei Presse von München Presse veröffentlicht.
Pressebericht vom 31.03.2017
Pressemitteilung Polizei München
Polizei München - Bericht des Tages
Mit unserem jährlich erscheinenden Verkehrsbericht ziehen wir Bilanz in der Verkehrssicherheit für das vergangene Jahr.

Sowohl die Zahl der Einwohner als auch die Kfz-Zulassungen haben im Ballungsraum München im letzten Jahr erneut zugenommen und erreichten somit wieder neue Höchststände. Rechnet man die knapp 500.000 Pendlerfahrzeuge und die Pkw der vielen Messebesucher und Touristen hinzu, die tagtäglich das Münchner Straßennetz benutzen, erfreut es besonders, dass die Verkehrssicherheit in der Landeshauptstadt München und im Landkreis München hoch geblieben ist.

So liegt die Häufigkeitszahl der Verletzten je 100.000 Einwohner bei 424 und damit auf dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2010. Im Vergleich mit anderen Großstädte wie Hamburg, Berlin, Köln oder Frankfurt nehmen wir nach wir vor den Spitzenplatz ein.

Für das Polizeipräsidium München lässt sich die Unfallbilanz des Jahres 2016 auf folgende Kernaussagen zusammenfassen:

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich sank gegenüber dem Vorjahr um 0,1 % auf 54.739.

Bei den Verletzten ist ein Rückgang um 2,3 % auf 7.634 zu verzeichnen, die Anzahl der Schwerverletzten reduzierte sich um 4,0 % auf 691.

Bei Unfällen mit tödlichem Ausgang starben 19 Menschen – zwei weniger als im Vorjahr. Ein historischer Tiefststand.

Die durch nicht angepasste sowie überhöhte Geschwindigkeit verursachten Unfälle stiegen um 21,1 % auf 523 Verkehrsunfälle.

Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit Alkohol gingen um 12,4 % zurück.

Bei den Unfällen mit Radfahrern gab es einen leichten Rückgang um 1,9 % auf 2.926. Die Anzahl der verletzten Radfahrer reduzierte sich auf 2.621 (- 1,4 %).

Fußgängerunfälle nahmen um 5,1 % auf 983 zu.

Mehr als zwei Drittel (68,5 %) der Getöteten gehören zur Gruppe der „ungeschützten Verkehrsteilnehmer“. Bei den „schwer Verunglückten“ (= getötete und schwerverletzte Menschen) betrug der Anteil 64,1 %.

Die Unfälle mit Beteiligung von Senioren gingen leicht um 2,1 % auf 4.138 Verkehrsunfälle zurück. Allerdings waren 9 der 19 getöteten Verkehrsteilnehmer Senioren.

Die Unfallfluchten gingen ebenfalls leicht zurück. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 252 diesbezügliche Anzeigen (oder 1,9%) weniger erstattet. Trotzdem liegt nach wie vor bei fast jedem vierten Verkehrsunfall ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vor.

Statistisch gesehen ereignete sich alle 9 Minuten ein Verkehrsunfall. Ca. alle 85 Minuten kam bei einem Unfall ein Mensch zu Schaden, alle 13 Stunden verunglückte ein Mensch bei einem Verkehrsunfall schwer und etwa alle zweieinhalb Wochen starb ein Mensch auf unseren Straßen.

9 Fußgänger, 4 Radfahrer, 2 Fahrer von motorisierten Zweirädern und 4 Pkw-Insassen starben bei Verkehrsunfällen.

Nach wie vor aktuell ist der „Tote Winkel“. Insbesondere bei Abbiegevorgängen von Lkw nach rechts ist die Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer, die ihrerseits die Straße geradeaus überqueren wollen, partiell nicht gegeben. Deshalb starben drei Menschen (je ein Fußgängerin, ein Radfahrerin und eine Inline-Skaterin). Bei einem vierten Opfer spielte der „Tote Winkel“ im Frontbereich eines Lkw eine Rolle.

Ein weiteres Phänomen gewinnt immer mehr an Bedeutung: Die Ablenkung durch Smartphones und/oder Kopfhörer. Dabei spielt es mittlerweile kaum mehr eine Rolle, ob deren Nutzer als Fußgänger, Radfahrer oder Kraftfahrzeuglenker unterwegs sind.
Einer seriösen Studie zufolge spielt bei rund einem Drittel der Verkehrsunfälle Ablenkung eine Rolle, wenngleich es hierzu keine belastbaren Zahlen gibt.

Sorgen bereiten uns nach wie vor die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren ab 65 Jahre. Zwar sank die Anzahl der Unfälle mit Beteiligung von Senioren leicht um 2,1 % (auf jetzt 4.138), trotzdem zeigt die mehrjährige Entwicklung nach wie vor eine wellenförmige Entwicklung nach oben. Von den 19 Unfalltoten waren 9, also fast die Hälfte, Senioren.

Mit dem Anstieg der Fußgängerunfälle (5,1%) hat sich auch die Zahl der dabei verletzten Fußgänger erhöht (+2,0 % auf 809); schwer verletzt wurden dagegen 11 (auf 145) weniger (= -7,1 %), bei den getöteten Fußgänger war einer weniger zu verzeichnen (2016: 9).

Soweit Fußgänger die Ursache beim Zustandekommen des Verkehrsunfalls setzten, stand dies häufig mit einem fehlerhaften Überqueren der Fahrbahn in Verbindung. Darunter fällt das plötzliche Hervortreten zwischen geparkten Fahrzeugen, das Queren der Fahrbahn trotz Fahrverkehr und - leider - auch das Missachten der roten Fußgängerampel.

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern ist erneut leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 1,9 % weniger solcher Unfälle polizeilich registriert. Parallel dazu sank auch die Zahl der dabei verletzten Radfahrer. Bedurften 2015 noch 2.659 Radfahrer einer ärztlichen Behandlung, waren es im letzten Jahr 38 (oder 1,4 %) weniger. Noch deutlicher war der Rückgang bei den schwerverletzten Radfahrern. 11 schwerverletzte Radfahrer weniger bedeuten für 2016 einen Rückgang um 3,6 %.

2015 kamen 5 Radfahrer ums Leben, im Vorjahr waren es 4.
Am konfliktträchtigsten sind nach wie vor Abbiegevorgänge; vor allem, wenn Pkw- oder Lkw-Lenker nach rechts abbiegen wollen und dabei einen in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer übersehen. Jeder siebte Unfall mit Beteiligung von Radfahrern ereignete sich auf diese Weise.

Bei den durch Radfahrer (mit-)verursachten Verkehrsunfällen dominieren seit Jahren Vorfahrts- oder Vorrangmissachtungen und die sog. Geisterradler. Also diejenigen, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Radweg fahren.

Die positive Entwicklung der letzten drei Jahre bei den Geschwindigkeitsunfällen konnte nicht fortgesetzt werden. Diese stiegen um mehr als 20 % von 432 auf 523. Dabei wurden um 11,1 % mehr Personen verletzt (331) und um 9,1 % mehr Personen schwer verletzt (60). Die Zahl der bei Geschwindigkeitsunfällen getöteten Personen reduzierte sich um drei auf jetzt sieben. Somit starben mehr als ein Drittel der Getöteten bei Geschwindigkeitsunfällen.

Nachdem 2015 eine ungewöhnliche hohe Zahl von sog. Unfallfluchten angezeigt wurde, ging die Zahl im Vorjahr um 1,9 % oder 252 Fälle auf 13.222 zurück. Es wurde keine Person bei einer Unfallflucht getötet, allerdings wurden 3,4 % (entspricht 20 Personen) mehr verletzt (615).

In der Gesamtschau haben Unfallfluchten somit immer noch einen Anteil von einem knappen Viertel am Unfallgeschehen. Auch wenn es sich bei 80 Prozent der Unfallfluchten um vermeintliche „Blech-Bagatellschäden“ handelt: Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort (so lautet die korrekte Bezeichnung nach § 142 StGB) ist eine Straftat und kein Kavaliersdelikt. Als solche kann sie mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden; zudem kann der Führerschein eingezogen werden und der verursachte Schaden kann auf dem Wege des Regresses von der Versicherung zurückverlangt werden. Bei mehr als 45 % der angezeigten Fälle gelang die Aufklärung.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums München werden sich auch im Jahr 2017 rund um die Uhr für die Verkehrssicherheit der Menschen im Ballungsraum einsetzen und verlässlicher Ansprechpartner sein.
Verkehrsunfälle sind in den meisten Fällen keine schicksalhaften Ereignisse. Wir wünschen uns deshalb, dass sich alle Verkehrsteilnehmer wieder mehr die Grundregel des § 1 der Straßenverkehrsordnung zu Eigen machen:

„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Durch die Einhaltung dieser Grundregel leisten alle Verkehrsteilnehmer einen wesentlichen Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Den Verkehrsbericht mit allen detaillierten Informationen finden Sie im Internet unter:

www.polizei-münchen.de/verkehr/statistik/index.html

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