Diese Pressemitteilung wurde am Freitag, 09. August 2019 in der Kategorie Polizei Presse von München Presse veröffentlicht.
Pressebericht vom 09.08.2019
Pressemitteilung Polizei München
Polizei München - Bericht des Tages
Im Schuljahr 2018/19 waren zeitweise bis zu 30 Polizeibeamte und zwei Beschäftigte der Münchner Verkehrspolizei mit 14 Jugendverkehrsschulen im Stadtbereich und Landkreis München eingesetzt. In der ersten Schuljahreshälfte ergänzte für den Stadtbereich eine 15. Jugendverkehrsschule diese Flotte.

Sie führten an allen 241 Grund-, Förder-, Privat- und muttersprachlichen Schulen die Radfahrausbildung in der Jahrgangsstufe vier durch. Mit dieser Ausbildung werden die Kinder auf die sichere Teilnahme am Straßenverkehr vorbereitet.

14.933 Schüler und Schülerinnen (Stadt 11.375, Landkreis: 3.558) nahmen im vergangenen Schuljahr an dem Unterricht teil. Damit wurden 95,7 Prozent aller ausbildungsfähigen Kinder erreicht.

14.052 Schüler und Schülerinnen, also 94,1 Prozent (Stadt: 10.593, Landkreis: 3.459), haben die theoretische sowie praktische Prüfung bestanden und sind somit stolze Besitzer des begehrten „Fahrradführerscheins“.

Ablauf und Inhalt der Radfahrausbildung in den vierten Klassen der Grundschulen und fünften Klassen der Förderschulen waren:

Die praktische Ausbildung in den Jugendverkehrsschulen umfasst, einschließlich der Prüfungseinheit, vier Übungseinheiten im Schonraum (in der Regel Verkehrsparcours im Pausenhof) und eine Übungseinheit im öffentlichen Straßenverkehr („Realverkehr“). Die Teilnahme an der Übungseinheit im „Realverkehr“ setzt grundsätzlich das Bestehen der theoretischen und praktischen Fahrradprüfung voraus.

Schwerpunkte der praktischen Ausbildung sind das Wissen, Können und Verstehen der Vorfahrtsregel „rechts vor links“, der Vorfahrtsregelungen durch Verkehrszeichen und Ampel, des Linksabbiegens und des Vorbeifahrens an Hindernissen.

Das Erkennen und Vermeiden des „Toten Winkels“ ist ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung. Der „Tote Winkel“ ist der Gefahrenbereich vor, seitlich und hinter einem Lkw, der vom Fahrer nicht mit den Fahrzeugspiegeln eingesehen werden kann. Die Schüler und Schülerinnen können bei der praktischen Ausbildung einzeln auf dem Fahrersitz eines Lkw Platz nehmen und so als Fahrzeugführer das Verschwinden einer ganzen Klasse im „Toten Winkel“ mitverfolgen. Im Anschluss daran werden den Kindern Tipps gegeben, um Gefahrensituationen zu erkennen und durch umsichtiges Verhalten zu meistern.

Parallel zu den praktischen Übungen lernen die Kinder von der jeweiligen Lehrkraft die Theorie der Straßenverkehrsordnung, die abschließend anhand eines Testbogens mit 20 Fragen geprüft wird.

Mit bestandener theoretischer und praktischer Prüfung erhält jedes Kind eine Urkunde, einen Prüfungsausweis für Radfahrer, einen Fahrradwimpel und einen Aufkleber mit dem Zertifikat „Geprüfter Radfahrer“ ausgehändigt.

Mit dem „Fahrradführerschein“ in der Tasche findet nun die Übungseinheit im öffentlichen Straßenverkehr in Begleitung der Verkehrserzieher der Polizei und der Lehrkräfte statt; dabei setzen die Kinder ihr Können um. In kleinen Gruppen von drei bis fünf Schülern wird im näheren Schulbereich eine vorher festgelegte Strecke gefahren. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten pro Gruppe. Die Kinder fahren dabei mit ihren eigenen Fahrrädern, die vorher auf Verkehrssicherheit überprüft worden sind. Wie im Schulhof wird natürlich auch bei der Fahrt in der Verkehrswirklichkeit nur mit Helm gefahren.

Die jungen Verkehrsteilnehmer verfügen jetzt nicht nur über ein grundsätzliches Regelwissen im Sinne der Straßenverkehrsordnung sondern auch über eine praktische Ausbildung, die sie befähigt, sich eigenverantwortlich und verkehrsgerecht zu verhalten.

Die Kinder bedürfen aber auch weiterhin der Unterstützung der Eltern und aller anderen erwachsenen Verkehrsteilnehmer. Daher unsere Bitte:

• Seien Sie den Kindern stets ein positives Vorbild und festigen Sie so das Vertrauen in das Erlernte!
• Beachten Sie immer die Verkehrsregeln, fahren Sie vorrauschauend defensiv und tragen Sie beim Radfahren zu Ihrer eigenen Sicherheit einen geeigneten und passenden Fahrradhelm!
• Stichwort „Ablenkung“: Seien Sie auch hier ein positives Vorbild und verzichten Sie auf die Benutzung Ihres Smartphones im Straßenverkehr!

Speziell die Zahlen der Schulwegunfälle 2018* verdeutlichen eindringlich die Gefahr für Kinder mit dem Fahrrad im öffentlichen Straßenverkehr und die besondere Rücksichtnahme der Erwachsenen. Von 154 verletzten Schulkindern im Alter von 6 bis 14 Jahren verunglückten 109, also 70,8 Prozent, als Radfahrer.

Darüberhinausgehend ereignete sich am 07.05.2018, gegen 07:35 Uhr an der Kreuzung Moosacher Straße / Schleißheimer Straße ein tragischer tödlicher Verkehrsunfall. Ein Lkw bog von der Schleißheimer Straße südlich nach rechts in die Moosacher Straße ein. Er musste dabei aufgrund stockenden Verkehrs im Kreuzungsbereich anhalten. Beim Anfahren übersah er eine 9-jährige Schülerin mit ihrem Fahrrad, die zwischenzeitlich Grünlicht bekommen hatte und sich im „Toten Winkel“ befand. Die Schülerin wurde dabei überrollt und tödlich verletzt.

Leider ist dieses Jahr, am 20.05.2019 wiederum ein Rad fahrendes Schulkind auf Grund des „Toten Winkels“ tödlich verunglückt. Ein 11-jähriger Schüler wollte bei Grünlicht auf der Radwegfurt von der Corneliusbrücke kommend die Kreuzung zur Erhardtstraße geradeaus überqueren. Zur gleichen Zeit fuhr ein Lkw ebenfalls von der Corneliusbrücke auf die genannte Kreuzung zu, um bei Grünlicht nach rechts in die Erhardtstraße abzubiegen; dabei übersah der Fahrzeugführer den Vorrang des geradeaus fahrenden Schülers, der sich im „Toten Winkel“ befand und verletzte ihn mit dem Lkw tödlich. Der Schüler hatte ein Schuljahr zuvor an der Fahrradausbildung der Grundschule teilgenommen.

• Bitte machen auch Sie Ihre Kinder immer wieder auf die Gefahren des „Toten Winkels“ im Sinne des „Sehen und Gesehen Werdens“ aufmerksam. Besteht der geringste Zweifel, dass mich der Kraftfahrzeugführer eines abbiegenden Pkw oder Lkw sieht, verzichte ich auf den Vorrang und warte im sicheren Abstand!

*Im Jahr 2018 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums München zehn Radfahrer aus allen Altersgruppen getötet und 2.933 verletzt. Das Einhalten der Verkehrsregeln und ein vorausschauendes Fahren sind unabdingbar für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer; zudem kann die Benutzung eines Fahrradhelms schwere Kopfverletzungen verhindern.

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