Diese Pressemitteilung wurde am Mittwoch, 09. Juli 2014 in der Kategorie Polizei Presse von München Presse veröffentlicht.
Pressebericht vom 10.07.2014
Pressemitteilung Polizei München
Polizei München - Bericht des Tages
Die Polizei wurde in den letzten Jahren mit einem Kriminalitätsphänomen konfrontiert, dessen Fallzahlen sich quantitativ enorm gesteigert haben und das sich inhaltlich ständig verändert. Zusammengefasst werden diese Straftaten mit den Begriffen Cybercrime, IuK- oder Internetkriminalität.

Unter dem Begriff Cybercrime werden alle Straftaten zusammengefasst, die sich gegen das Internet, andere Datennetze oder informationstechnische Systeme sowie deren Daten richten. Auch Straftaten, die mit diesen Informationstechniken begangen werden, fallen unter diesen Begriff.

Bei Cybercrime ermittelt die Münchner Polizei bei Straftaten wie zum Beispiel Computerbetrug, Beleidigung, Datenveränderung, Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung und Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten. Darunter fallen die bekannten Phänomene wie Phishing im Bereich Onlinebanking oder auch die verschiedenen Erscheinungsformen digitaler Erpressungen, die sogenannte „Ransomware“. Dabei reagieren die Täter schnell, flexibel, mit viel Sachkunde und krimineller Energie auf neue technische Entwicklungen. Die Arten der Tatbegehungen ändern sich ständig und auch Schadsoftware wird immer komplexer. Die vielen Möglichkeiten der Informationstechnologie sind daher leider mit erheblichen Risiken verbunden.

Auch im letzten Jahr stieg die Anzahl der Delikte, die in Bayern mit dem Tatmittel Internet begangen wurden, um über 10% von 21.963 (2012) auf 24.292 Fälle (2013). Die meisten Taten gab es im Bereich Betrug und Beleidigung. Dabei hat die Münchner Polizei 2013 4.455 Fälle bearbeitet (2012:4.448). Bei knapp über 1.600 Taten war der Tatort in unserem Zuständigkeitsbereich. Dazu wurden über 2.700 Taten zur Anzeige gebracht, deren Tatorte nicht in München waren.

Bereits seit Anfang der 80er Jahre wurden Computerkriminalitätsfälle beim Polizeipräsidium München vom damaligen Kommissariat 241 bearbeitet. Bei diesen Delikten handelte es sich vor allem um Hacking- und Urheberrechtsdelikte sowie das Verbreiten von Schadsoftware wie Viren und Trojaner. Im März 1995 startete im Auftrag des Innenministeriums bei der Münchner Polizei die Fahndung in Datennetzen. Grund für diese Ermittlungen war die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und die Verhinderung der Verbreitung kinderpornografischer Medien. Mit der Zunahme der Internetnutzung in Deutschland starteten 1997 beim Bayerischen Landeskriminalamt die Netzwerkfahndung und beim Bundeskriminalamt die Zentralstelle zu Recherchen in Datennetzen. Neben der Fahndung in Datennetzen stieg die Anzahl der als Beweismittel sichergestellten Datenträger und später auch Handys rapide an. Bis 1995 wurden beim Bayerischen Landeskriminalamt zentral alle EDV-Beweismittel ausgewertet. Wegen des starken Anstiegs an sichergestellten Datenträgern übernahm das Polizeipräsidium die Regionale Beweismittelauswertungsstelle. 2010 wurde beim Polizeipräsidium München die Sachbearbeitung bei Computerkriminalitätsdelikten zentral dem Kommissariat 75 übertragen. Am 01. April 2014 startete unser neues Kriminalfachdezernat 12, um jeden Bürger, der in unserem Zuständigkeitsbereich Opfer im digitalen Netz wird, bürgernahe und professionelle Hilfe bieten zu können.

Nach wie vor stoßen wir bei unseren Ermittlungen oft auf rechtliche Probleme, die nicht abschließend durch die Strafprozessordnung geregelt sind. Unsere Kollegen richten sich dabei im Moment oft nach Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs.

Entscheidend für die rechtliche Zulässigkeit einer polizeilichen Maßnahme ist zum Beispiel die Frage, wo die zu sichernde Datei gespeichert ist. Diese Frage ist oft nicht sicher zu beantworten. Viele Internetunternehmen offenbaren dazu ihre Speicherpraxis nicht. Auch die Kennung der Email Adresse hilft dann oft nicht weiter, da sie nicht mit dem physikalischen Standort der Mail-Server des Anbieters übereinstimmen muss und die immer mehr genutzten Cloud-Dienste machen diese Problematik noch komplexer und die Klärung der Frage, wo der physikalische Standort des Datenspeichers ist, wird noch schwieriger. In einer Eilsituation, wie zum Beispiel einer Durchsuchung, kann es dann sehr schwierig sein, die abschließende Rechtssicherheit einer Ermittlungsmaßnahme sofort zu beurteilen. Sind wir ausschließlich im Inland tätig und können uns auf die Strafprozessordnung stützen oder brauchen wir Rechtshilfeersuchen und die Unterstützung ausländischer Strafverfolgungsbehörden? Man erkennt gut, dass die Herausforderungen für unsere Ermittler bei Cybercrime Straftaten sehr hoch sind.
45 Mitarbeiter arbeiten im neuen Kriminalfachdezernat 12, das in drei Kommissariate aufgeteilt ist. Das Kommissariat 121 ist für die zentrale Koordinierung und Analyse zuständig und fungiert als Ansprechpartner für alle Kollegen, die im Rahmen ihrer Sachbearbeitung Fragen zu Cybercrime haben. Das Kommissariat 122  ist für Ermittlungen zuständig und das Kommissariat 123 kümmert sich um die forensische Beweismittelsicherung bei Computern, Tablets etc.
 
Natürlich ist das Polizeipräsidium München auch im Bereich der Prävention tätig. Unser Kommissariat 105 für Prävention und Opferschutz hat einen Fachbereich für Neue Medien und Internetkriminalität. Die Beamten haben verschiedene Angebote, um zielgruppenspezifisch Medienkompetenz zu vermitteln. Dazu bieten sie auch professionelle Hilfe und Beratung für Opfer von Cybercrime.

Unter der Telefonnummer
089/2910-3434 und der Email Adresse
medienberatung-muenchen@polizei.bayern.de kann man sich zu dem Thema beraten lassen.

 

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